Kaulsdorfer
Wiesen und Biesdorfer Höhe
Südlich des Wuhlgartens
wird das Wuhletal von Bahnanlagen und der Altentreptower Straße
unterbrochen. Für den Austausch im Naturraum ist damit eine
weitere kaum überwindbare Barriere errichtet worden. Südlich
der Eisenbahnlinie dominiert im Landschaftsbild des Wuhletals die
Biesdorfer Höhe. Zwischen dieser Anhöhe auf der westlichen
Seite und der alten Dorflage von Kaulsdorf
am östlichen Rand der Niederung dehnen sich Wiesen und Koppeln
aus. Dieser Zusammenhang von Räumen mit landwirtschaftlicher
Nutzung (Wiesen) und dörflichen Strukturen ist in Berlin
inzwischen äußerst selten. Die ehemals typische Gliederung
des Ortsrandes durch verschiedene Nutzungen, soll nach Möglichkeit
wiederhergestellt werden. Der sanfte Übergang in die freie
Landschaft bietet aufgrund vielfältiger Strukturen zahlreichen
Pflanzen und Tieren Lebensmöglichkeiten.
Der Wuhlekanal wurde in diesem Abschnitt am westlichen Rand der
Niederung entlanggeführt, während die Alte Wuhle ehemals in
der Mitte der Niederung floss, wo auch noch Reste des alten Bachbettes
zu finden sind. Zum Landschaftsbild gehören auch zwei dicht mit
Bäumen bestandene Friedhöfe: der Kaulsdorfer, der nahe an den
Wuhlekanal heranreicht, und der Biesdorfer, der zwischen Biesdorfer
Höhe und U-Bahntrasse liegt.
Die geologische Karte weist auch für diesen Bereich der
Wuhleniederung ein Flachmoortorf aus. Wie ein Blick in den Wuhlekanal
und in das alte, trocken liegende Bachbett zeigt, liegt der
Grundwasserspiegel heute mehr als 60 cm unter der Flur. Als das Moor
intakt war, lag dieser Spiegel im Jahresdurchschnitt auf Flurniveau.
Eine intensive Bewirtschaftung der Wiese, auch die Mahd mit schweren
Maschinen, war erst dadurch möglich geworden, dass das Grundwasser
auf das heutige Niveau abgesenkt wurde. Der Preis dafür war die
Mineralisierung des Torfs und die Verarmung von Flora und Fauna.
Die Biesdorfer Höhe liegt
unmittelbar am Wuhletal, bildet gleichzeitig aber auch einen
Randabschnitt des Barnim hin zur Spreeniederung. Die eiszeitlich
bedingte Höhe von ca. 50 m NN wurde nach dem Zweiten Weltkrieg
durch die Ablagerung von Schutt und Ziegelbruch aus den Berliner
Innenstadtbezirken künstlich überhöht. Nach der weiteren
Deponierung von Bauschutt in den achtziger Jahren erlangte der
Hügel seine heutige Höhe von 82,1 m NN.
Heute ist die Biesdorfer Höhe ähnlich wie der Kienberg und
die Ahrensfelder Berge ein interessanter naturnaher Erholungsraum. Dazu
trägt allein schon das abwechslungsreiche Geländeprofil bei.
Hinzu kommt auch bei diesem "Biotop aus zweiter Hand" die erstaunliche
Vielfalt der Vegetation. Dieser überraschende Artenreichtum
erklärt sich auch durch das breite Spektrum unterschiedlicher
Lebensräume, die in einem kleinflächigen Mosaik über das
Gelände verteilt sind. Vielfältig sind auch die Gehölze,
die nach Aufgabe des Deponiebetriebes hier angepflanzt wurden. Neben
einheimischen Bäumen und Sträuchern wie Eichen, Spitzahorn,
Eschen, Weißdorn und Hundsrose finden wir als
"Pioniergehölze" auch wieder die bekannten "Importe": Eschenahorn,
Robinie, Balsampappel. Abgesehen von dem Gewinn für das
Landschaftsbild, konnten mit der Bepflanzung auch - wie beabsichtigt -
Erosionsschäden auf der ehemaligen Deponie verhindert werden.
Die jetzige Vielfalt ist durch verschiedene Faktoren gefährdet. So
würden sich ohne Pflegemaßnahmen konkurrenzstarke
Pflanzenarten flächenhaft durchsetzen und die übrige
wertvollere Vegetation verdrängen. Die Entwicklung auf der
Biesdorfer Höhe soll deshalb nicht dem Selbstlauf überlassen
werden. Der hohe Anteil nicht heimischer Gehölzarten soll - wie im
Landschaftsplan vorgesehen - zugunsten von "standortgerechten und
gebietstypischen" Bäumen und Sträuchern stetig reduziert
werden. Auch das kleinflächige Mosaik unterschiedlicher
Lebensräume soll erhalten bleiben, indem die Hochstauden-Fluren
einmal im Jahr gemäht und dauerhaft von Gehölzen freigehalten
werden.
Durch ihre Lage am
Rande
zweier
Niederungen bildet die Biesdorfer Höhe eine ideale
"Aussichtsplattform". Um die Aussicht vom Höhenplateau
genießen zu
können, werden - wie vom Landschaftsplan gefordert - mehrere
Sichtachsen freigehalten.
Gegenüber der Biesdorfer Höhe befindet sich am südlichen
Dorfausgang von Kaulsdorf der ehemalige Gutshof, wo Franz Carl Achard
im 18. Jahrhundert seine ersten Versuche zur Rübenzuckergewinnung
durchführte. Heute stellt die Firma Schilkin auf dem Gelände
ihre bekannten Spirituosen her. An der Hinterfront des ehemaligen
Gutshofes befindet sich am Rand der Wuhleniederung das sog. Schilkin-Wäldchen. Es handelt
sich hier um die Reste eines Gutsparks. Hier finden sich noch
ausgeprägte Teile des alten Wuhlebettes. Inzwischen ist das
Wäldchen verwildert, und durch Baugeschehen in seiner Nähe
wurde es mehrfach in Mitleidenschaft gezogen. So kam man Anfang der
neunziger Jahre zu dem betrüblichen Fazit, dass etwa zwei Drittel
der Altbäume und die siebzig Meter lange Haselhecke abgestorben
waren. Aber auch dieser Überrest einer Parkanlage stellt in seiner
heutigen Form einen wertvollen Lebensraum für Tiere dar.
In der Nähe der Bundesstraße 1/5 verlässt die Wuhle den
Barnim und tritt ins Berliner Urstromtal ein. Auf westlicher Seite
bildet die Biesdorfer Höhe einen markanten Endpunkt der
Hochfläche, auf Kaulsdorfer Seite dagegen dehnt sich der Barnim
noch weiter südlich aus. Das Gelände hier erinnert an eine
große Terrasse, die mit einem deutlichen Geländesprung (mit
bis zu 12 Höhenmetern) in die Niederung übergeht. Von diesem Berliner Balkon aus, der von der
Straße Alt-Kaulsdorf (B1/5) durchquert wird, hat man einen
schönen Ausblick in den offenen Landschaftsraum der
Spreeniederung, wo die Kaulsdorfer Seen und am Horizont die
Müggelberge zu sehen sind.