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Der
Bezirk Marzahn 1979 2000
Am
5. Januar 1979 wurde aus Teilen der Stadtbezirke Lichtenberg und
Weißensee der neue Stadtbezirk Marzahn mit den Ortsteilen
Biesdorf, Hellersdorf, Kaulsdorf, Mahlsdorf und Marzahn gebildet. Die
Entscheidung zur Gründung eines neuen Ostberliner Bezirkes war
1975 getroffen worden, die über den Namen"Berlin Marzahn"
im Herbst 1977. Kurz zuvor, im Sommer 1977, war die erste Platte für
den Bau der Großsiedlung Marzahn gesetzt worden, die ersten
Mieter zogen am Jahresende in der Marchwitzastraße ein. Die
Errichtung der Großsiedlung erfolgte im Rahmen des 1973
beschlossenen Wohnungsbauprogramms der DDR, mit dem jede Familie mit
einer Wohnung versorgt und so das Wohnungsproblem als soziale Frage
gelöst werden sollte. Die Marzahner Großsiedlung als
größte wurde dabei zum Symbol dieses Wohnungsbauprogramms.
Zunächst waren etwa 35.000 Wohnungen geplant, doch ihre Zahl
wurde immer mehr erweitert. Am Ende seines Gründungsjahres hatte
der Bezirk fast 64.000 Einwohner. Das namengebende Dorf Marzahn, das
vollständig von der Großsiedlung umgeben ist, wurde 1977
unter Denkmalschutz gestellt und ab Ende der achtziger Jahre
rekonstruiert.
Marzahn das war
für viele vor allem der Bau zahlreicher Wohnungen.
Weniger
bekannt ist die Tatsache, dass auch Betriebe neu errichtet,
erweitert, modernisiert oder nach Marzahn verlagert wurden. Der
größte war der VEB Elektroprojekt und Anlagenbau, der seit
1979 an der Rhinstraße ansässig war. In den 80er Jahren
entstanden die ersten Betriebe Im Jahr 2000 wurde der Chines
im
Gewerbegebiet Marzahn Nord an der Wolfener Straße, jedoch
wurde dessen Aufbau bis 1989 nicht abgeschlossen, schon geplante
Projekte nicht realisiert. Einschneidende Veränderungen
vollzogen sich in der Landwirtschaft. Mit der Bebauung der Felder und
Wiesen stellte die landwirtschaftliche Genossenschaft ihre Produktion
auf Gemüseanbau in Gewächshäusern um.
Parallel
zum Wohnungsbau entstanden Schulen, Kindereinrichtungen, Sportplätze,
Gaststätten und zwei Polikliniken. Auch ein Kino und ein
Kaufhaus wurden gebaut. Die Versorgung mit Lebensmitteln und anderen
Grundbedarfsgütern erfolgte vorwiegend durch Kaufhallen und war
von häufig auftretenden Engpässen begleitet. Ein gut
ausgebautes Verkehrsnetz wurde angelegt. Bis 1982 war die elektrische
S Bahnverbindung nach Ahrensfelde hergestellt. 1988 nahm die
U Bahn ihren Betrieb bis Elsterwerdaer Platz auf. Zahlreiche
Straßenbahn und Buslinien kamen hinzu.
Vor
allem mit finanziellen Mitteln aus der Bundesrepublik Deutschland
erfolgte der Bau neuer Kirchen und Gemeindehäuser. 1983 wurde
als erstes das katholische Gemeindezentrum, einschließlich der
Kirche "Maria Königin der Friedens" eingeweiht. 1986
bis 1989 entstanden die katholische Pfarrkirche Von der Verklärung
des Herm` sowie evangelische Gemeindezentren der
"Versöhnungsgemeinde", der methodistischen
Kirchengemeinde und der Kirchengemeinde MarzahnNord. 1989 wurde mit
dem Bau des Gemeindezentrums der "Kirche Jesu Christi der
Heiligen der letzten Tage" (Mormonen) begonnen.
In
den achtziger Jahren machten sich die zunehmend begrenzten
ökonomischen Möglichkeiten der DDR in allen Bereichen immer
mehr bemerkbar. Für die Bevölkerung besonders spürbar
wurde dies im Bauwesen und in der Versorgung. Hinzu kam eine
wachsende Unzufriedenheit mit den politischen Verhältnissen, die
ihren nach außen sichtbarsten Ausdruck in der Ubersiedlung von
fast 4.500 Marzahnern in die Bundesrepublik Deutschland fand.
Nach
der "Wende" gründete sich auch in Marzahn ein Runder
Tisch aus verschiedenen politischen Parteien und Gruppierungen, die
oft erst kurz zuvor entstanden oder wie die sozialdemokratische
Partei wiedergegründet waren. Im Mai 1990 fanden die ersten
freien Wahlen zur Stadtbezirksversammlung statt, Bürgermeister
wurde Andreas Röhl (SPD). 1995 folgte ihm Dr. Harald Buttler
(PDS).
Auch
die Wirtschaftsstruktur wurde vollständig umgestaltet. Viele
Unternehmen, darunter alle Großbetriebe, überlebten nicht
oder wurden mit deutlich weniger Beschäftigten erhalten. Mit der
Auflösung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft
endete nach Jahrhunderten die Geschichte der Landwirtschaft in
Marzahn. Andererseits entstanden viele neue, vorwiegend kleinere
Unternehmen und Gewerbegebiete. Entlang der S Bahn erstreckt
sich das größte zusammenhängende Gewerbegebiet
Berlins, in das auch Betriebe aus anderen Teilen der Hauptstadt
umsiedelten. Die Knorr Bremse Berlin erhielt das Gelände
der Berliner Werkzeugmaschinenfabrik zurück, wo sie 1993 einen
neuen Standort eröffnete. 1991 gründeten 50 Unternehmerden
MarzahnerWirtschaftskreis als ersten seiner Art in Ostberlin, der
2000 zum Marzahn Hellersdorfer Wirtschaftskreis erweitert wurde.
Nach
1990 begann in der Großsiedlung die umfassende Sanierung und
Modernisierung. Das Wohnumfeld wurde verbessert. Auch die
Vergrößerung und Verdichtung der Siedlungsgebiete und die
neuen Wohnparks veränderten die Bezirkslandschaft. Ein großes
Projekt ist das 1997 begonnene Entwicklungsgebiet Biesdorf Süd.
Neue Einkaufszentren, gastronomische Einrichtungen sowie Stätten
zur kulturellen und sportlichen Betätigung entstanden.
Über
die Grenzen Marzahns hinaus bekannt wurden vor allem die 1994 neu
erbaute Bockwindmühle im Dorfkern, das 1997 eröffnete
Unfallkrankenhaus, das modernste seiner Art in Europa, und der im
Jahre 2000 eingeweihte Chinesische Garten im Erholungspark. Das Jahr
2000 war auch gleichzeitig ein besonderes für Marzahn und
Biesdorf. Beide Ortsteile begingen feierlich den 700. bzw. 625.
Jahrestag ihrer urkundlichen Ersterwähnung.
Text: Dr.
Christa Hübner / Dr. Monika Ranke, Fotos: Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf
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