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Streiflichter aus der Bezirksgeschichte von Marzahn Hellersdorf

Die Dörfer bis 1920


Biesdorf

Von Biesdorf erfahren wir das erste Mal aus dem Landbuch Karls IV. 1375. Danach hatte der als Bysterstorff bzw. Bisterstorff bezeichnete Ort 62 Hufen und war damit das größte Dorf im heutigen Bezirk. Grundherr war Hennig von der Gröben. Ein Ritterhof bestand nicht. Auch hier hatten der Pfarrer vier und   wie in Marzahn   die Kirche eine Hufe Landes in Besitz, auch ein Krug war vorhanden. Mit 24 war die Zahl der Kossäten ungewöhnlich hoch. Da zudem auf einem kleinen Gebiet am südöstlichen Dorfkern spätslawische Scherben aus dem 11./12. Jahrhundert gefunden wurden, wird vermutet, dass sich eine slawische Kleinsiedlung zum Dorf nach deutschem Recht entwickelt haben könnte. Wie Marzahn und Mahlsdorf war auch Biesdorf ein Angerdorf.

Anders als in den anderen vier Dörfern verzeichnet das Landbuch für Biesdorf einen Lehnschulzen, der einen mit vier Hufen ausgestatteten abgabenfreien Hof besaß. Das deutet auf einen nichtadligen Dorfgründer hin, der diesen Hof samt Amt als Belohnung für seine Dienste erhielt. Schon Mitte des 15. Jahrhunderts gab es diesen Lehnschulzenhof nicht mehr. 1441 und 1443 veräußerten die von Gröben Biesdorf in zwei Teilen an Thomas Wins, der zeitweilig Bürgermeister von Berlin war. Er verlor Biesdorf, weil er sich führend am "Berliner Unwillen" von 1448 beteiligte, bei dem sich die Berliner gegen den Kurfürsten aufgelehnt hatten. Anschließend nahm der Landesherr Biesdorf für einige Zeit selbst in Besitz. 1472 wurden Angehörige des verbreiteten Adelsgeschlechtes von Pfuel mit dem Dorf Biesdorf belehnt. Sie waren bis Mitte des 17. Jahrhunderts die Dorfherren. 1587 wurde erstmals ein Ritterhof derer von Pfuel erwähnt.

Biesdorf blieb nach der Einführung der Reformation 1539 in Brandenburg als eigene Kirchgemeinde bestehen. Sie wurde Mutterkirche von Kaulsdorf, für einige Jahrzehnte auch von Marzahn und seit dem Dreißigjährigen Krieg ebenso von Mahlsdorf. Von 1865 bis 1933 war   mit kurzer Unterbrechung der Biesdorter Pfarrer auch Superintendent für den Kirchenkreis Berlin Land bzw. Berlin Land 1.

Auch Biesdort litt unter den Folgen des Dreißigjährigen Krieges. Vier Jahre nach seinem Ende war die Zahl der Bauern gegenüber 1624 von 19 auf vier, die der Kossäten von 13 auf sechs zurückgegangen. Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts siedelten sich vor allem Bauern wieder an. Doch da nicht alle früher vorhandenen Höfe besetzt werden konnten, wurden die Bauerngüter vergrößert, so dass es um 1700 in Biesdorf nur Bauernhöfe von drei bis vier Hufen gab. 1653 und 1666 erwarb Kurfürst Friedrich Wilhelm das Dorf in zwei Teilen und unterstellte es dem Amt Köpenick. Das neun Hufen große Gut wurde Vorwerk. 1713 erhielt Biesdorf erstmals eine Windmühle.

Die Bauernbefreiung im Zuge der preußischen Reformen wurde in Biesdorf mit der von 1822 bis 1832 dauernden Separation eingeleitet. Später erfolgte die Ablösung der bäuerlichen Dienste und Abgaben. Das Amtsvorwerk kaufte Karl August Friedrich Lettow im Jahre 1827. Nach häufigem Eigentümerwechsei erwarb 1887 Werner von Siemens das Gut und das 1868 durch Heino Schmieden als spätklassizistische Turmvilla erbaute Biesdorfer Schloss. Zwei Jahre später übertrug er es seinem Sohn Wilhelm.

1872 wurde Biesdorf wie Mahlsdorf und Marzahn aus dem Amt Mühlenhof entlassen und Teil des Kreises Niederbarnim. Das Gut blieb bis 1920 rechtlich selbstständig. Die Gemeinde wählte 1874 den bisherigen Schulzen Sieg zum Gemeindevorsteher. Im selben Jahr wurde der Amtsbezirk Biesdorf gebildet, dem außerdem Kaulsdorf und Mahlsdorf angehörten.

Biesdorf nahm nach 1900 einen raschen Aufschwung. Mit der Anlegung von Kolonien in Biesdorf Süd und  Nord begann eine verstärkte Siedlungstätigkeit im ganzen Ort, auch wenn die Einwohnerzahl langsamer als in Kaulsdorf und Mahlsdorf anstieg. 1895 war es mit 914 Einwohnern noch das bevölkerungsreichste Dorf des heutigen Bezirks. 1919 zählte Biesdorf 3.071 Einwohner und war damit kleiner als Kaulsdorf und vor allem Mahlsdorf. 1885 brachte die Eröffnung des Bahnhofes Biesdorf an der Königlichen Ostbahn den Anschluss an die Eisenbahnverbindung nach Berlin. Wasser , Gas  und Stromanschluss erhielten die Biesdorfer zwischen 1904 und 1914.

Weithin bekannt wurde Biesdorf durch die zwischen 1907 und 1909 nach Plänen von Karl Janisch errichtete erste drehbare Luftschiffhalle zu Lande. 1911 fand die erste Probefahrt des Siemens Schuckert Luftschiffes (SSL) statt. 1912 kaufte die Heeresverwaltung das Schiff, das jedoch 1914 der Konkurrenz anderer Luftfahrtunternehmen weichen musste.

Wie in Kaulsdorf entstand auch in Biesdorf während der Novemberrevolution ein Arbeiterrat. Mindestens eines der Ratsmitglieder, Otto Dame, trat auch in übergeordneten Gremien Berlins auf.


Text: Dr. Christa Hübner / Dr. Monika Ranke, Fotos: Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf


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