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Die
Dörfer bis 1920
Kaulsdorf
Kaulsdorf
wurde am 6. Dezember 1347 als Caulstorp in einqeir Schenkungsurkunde
des Markgrafen Ludwig d.A. an die Kalandsbrüder in Bernau, einer
kirchlichen Vereinigung, erstmals verzeichnet. Doch schon 1285
erschien der Ortsname im Namen des Vogtes zu Spandau, Nicolao de
Caulestorp. Ob eine Beziehung zum gleichnamigen Ort besteht, ist
nicht eindeutig geklärt. Wie Marzahn war Kaulsdorf ein
Angerdorf, auch hier ist diese dörfliche Grundstruktur bis heute
unverändert.
Im
Landbuch Karls IV. von 1375 wird Kaulsdorf als ein Dorf mit 40 Hufen
beschrieben, von denen der Pfarrer vier besaß. Der vier Hufen
umfassende Ritterhof gehörte Mathis Lindenberg, möglicherweise
einem Angehörigen der Familie, die zwei Jahrhunderte lang
Dorfherren von Marzahn waren. Im Ort lebten 13 Kossäten, auch
ein Krug war vorhanden.
Im
Jahre 1412 wandte Burggraf Friedrich, der nachmalige Kurfürst
Friedrich 1., dem Altar der Petrikirche zu Cölln an der Spree
zur Vermehrung seiner Einnahmen verschiedene Abgaben aus Kaulsdorf
zu. Aus der betreffenden Urkunde sind erstmals für eines der
fünf Dörfer Namen von Bauern und Kossäten überliefert:
Katharina Bollin, Mathias Czepernick, Kerstan Fritze, Volscanes
Ganist, Claus Hoffmann, Kerstan Hönow, Johannes Kemerer, Berent
und Johannes Krüger, Kune Lüderstorff, Andreas Motelow,
Michel Rolle und Peter Strobant.
1536
wurden die Rechte der Petrikirche an die Domkirche in Berlin
abgetreten. Wenige Jahre danach, im Zuge der Reformation, verlor die
Kaulsdorfer Kirchgemeinde ihre Selbstständigkeit; sie wurde, wie
später auch Mahlsdorf, bis 1907 Tochterkirche von Biesdorf.
Die
Zeit des Dreißigjährigen Krieges war für Kaulsdorf
besonders schlimm. Das Dorf war nicht nur von den direkten
Kriegseinwirkungen betroffen, von 1638 bis 1641 kam die Pest hinzu.
Mehrere Jahre war Kaulsdorf gänzlich unbewohnt, ehe der
Wiederaufbau begann. Dank des Domkapitelverwalters Oelven gelang es,
das Dorf rascher als andere emporzubringen. 1652 waren bereits wieder
zehn Bauern und neun Kossätenhöfe und damit fast
ebenso viele wie im Jahre 1624 besetzt. Die ihr noch nicht gehörenden
Abgaben aus Kaulsdorf brachte die Domkirche 1701 in ihren Besitz, so
dass sie bis zur Aufhebung aller feudalen Lasten Herrin über das
gesamte Dorf Kaulsdorf war. Die besondere rechtliche Situation
Kaulsdorfs führte dazu, dass sich im Ort kein Rittergut
herausbildete. Aus dem mittelalterlichen Ritterhof entstand ein
bäuerliches Freigut, das heißt, es mussten davon weder
Dienste noch Abgaben erbracht werden. Der bekannteste Hofeigentümer
war von 1782 bis 1785 der Berliner Physiker und Chemiker Franz Carl
Achard. Berühmt geworden ist er für seine Zuckergewinnung
aus Rüben, deren erste Versuche er in Kaulsdorf unternahm.
Der
Prozess der Bauernbefreiung dauerte in Kaulsdorf besonders lange.
1848 wurde die Separation abgeschlossen. Die Ablösung der
Leistungen an die Domkirche in Berlin zog sich bis 1872 hin. Wie in
Marzahn wurde auch in Kaulsdorf im Rahmen der Gewährung der
Gewerbefreiheit der Bau einer ersten Bockwindmühle möglich,
die 1816 in Betrieb ging.
1874
kam Kaulsdorf zum neu gebildeten Amtsbezirk Biesdorf und wurde Teil
des Kreises Niederbarnim. Als Gemeindevorsteher amtierte der
Kreisschulze Grunow.
Zu
diesem Zeitpunkt hatte die Verkehrsanbindung an Berlin Kaulsdorf
bereits erreicht. Früher als in den anderen Dörfern des
heutigen Bezirkes bereits 1869 wurde ein Haltepunkt der
Königlichen Ostbahn eröffnet. 1881 nahm der Güterbahnhof
die Arbeit auf. 1892 begann nördlich der Ostbahn die
Parzellierung von Kaulsdorfer Ackerland zu Siedlungszwecken. Mit dem
Zuzug vor allem aus Berlin, darunter viele Arbeiter, stieg die
Bevölkerungszahl von 759 im Jahre 1895 auf 3.375 im Jahre 1919,
wenngleich diese Entwicklung nicht so rasch voranschritt wie im
benachbarten Mahlsdorf. Ab 1905 erhielt Kaulsdorf Wasserund
Gasanschluss. 1916 wurde das Wasserwerk im Kaulsdorfer Busch in
Betrieb genommen. Mit der Stromversorgung dauerte es allerdings bis
1920. 1909 wurde das repräsentative, durch den Berliner
Schützenbund errichtete "Bundesschützenhaus"
eingeweiht.
Der
anfänglichen Begeisterung am Beginn des Ersten Weltkrieges 1914
folgten bald Ernüchterung, Hunger und Entbehrungen. 1917 rief
der Sozialdemokratische Wahlverein in Kaulsdorf zu einer
Protestaktion gegen das Kriegsernährungsamt in Berlin auf, um
die mangelhafte Belieferung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln
öffentlich zu machen. 901 Einwohner schlossen sich dem Protest
an. 1918/1919 wirkte in Kaulsdorf ein Arbeiterrat, der nach Ausbruch
der Novemberrevolution die kommunale Macht übernahm, bald jedoch
den Schwerpunkt seiner Tätigkeit auf soziale Fragen legte. Viele
Probleme für die Bevölkerung verursachte in dieser Zeit
auch die Einquartierung von Freikorps Soldaten.
Text: Dr.
Christa Hübner / Dr. Monika Ranke, Fotos: Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf
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