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Streiflichter aus der Bezirksgeschichte von Marzahn Hellersdorf

Die Dörfer bis 1920


Mahlsdorf

Mahlsdorf wurde am 25. Januar 1345 als Malterstorp in einem Lehnsbrief des Markgrafen Ludwig d.Ä. erstmals urkundlich erwähnt. Der Ritter Thyle Ryteling verkaufte das Dorf an den Ritter Otto Kethelitz. Es war ein in Nord Süd-Richtung verlaufendes Straßendorf, das durch die von Berlin nach Frankfurt/Oder führende Fernstraße gekreuzt wurde.

Laut dem Landbuch Kaiser Karls IV. war Mahlsdorf 1375 im Besitz von Otto und Rüdiger von Falkenberg. Danach umfasste die Feldmark 50 Hufen Landes, von denen fünf zum Ritterhof Rüdiger von Falkenbergs und vier dem Pfarrer gehörten. Außerdem gab es 19 Kossäten und einen Krug.

Mahlsdorfer Kirche aus dem 13. Jh. Schon zu Beginn des 15. Jahrhunderts existierten zwei Herrschaften in Mahlsdorf. Um 1412 überließen die Falkenbergs das halbe Die Mahlsdorfer Kirche aus Dorf der Familie von Bredow. Danach erlebte es mehrfache Herrschaftsveränderungen, ehe es an die Adelsfamilie von Grieben kam. Um 1574 vereinigten die Grieben nach dem Aussterben der Falkenbergs beide Dorfteile wieder. Von 1583 bis 1613 waren der brandenburgische Kanzler Lampert Distelmeyer und dann sein Sohn Christian Dorf  und Gutsherren von Mahlsdorf.

Auch in der Mahlsdorfer Geschichte bedeutete der Dreißigjährige Krieg einen tiefen Einschnitt. Lebten 1624 hier zwölf Hufenbauern und 14 Kossäten, so gab es 1652 nur noch drei Bauern und drei Kossäten. Eine Folge des Krieges war, dass Mahlsdorf bis 1907 keine eigenständige Kirchgemeinde mehr bildete, sondern Tochterkirche von Biesdorf wurde. 1676 erwarb der Kurfürst Friedrich Wilhelm Mahlsdorf, das in den vorhergehenden Jahrzehnten wiederum mehrfachem Besitzerwechsel ausgesetzt gewesen war. Das Dorf kam zum kurfürstlichen Amt Köpenick, das aus zwei Höfen mit 16 Hufen bestehende Mahlsdorfer Gut wurde Amtsvorwerk. Bis zu diesem Zeitpunkt war der Neubesiedlungsprozess vorangekommen, doch wurde die Anzahl der besetzten Bauern  und Kossätenstellen aus der Zeit vordem Dreißigjährigen Krieg nicht wieder erreicht. Vom Ende des 17. bis ins 19. Jahrhundert lebten im Dorf zehn Hufenbauern, die Zahl der Kossäten schwankte zwischen drei und sechs. 1705 existierte wieder ein Schmied im Dorf und 1708 wurde eine Windmühle errichtet. Auf der südlichen Feldmark entstand 1753 die Einwandererkolonie "Kiekemal", die bis 1911 verwaltungsmäßig Teil des Gutes Dahlwitz war.

Die im Zuge der preußischen Reformen durchgeführte Dienste  und Abgabenablösung sowie die Separation zogen sich in Mahlsdorf über mehrere Jahrzehnte bis 1846 hin. Das königliche Vorwerk wurde an einen Bürgerlichen, den Kaufmann und Fabrikanten Johann Friedrich Kaapke, zunächst verpachtet und 1821 verkauft. Das nunmehrige Rittergut wechselte in der Folge mehrfach den Eigentümer, bis es 1880 an Hermann Schrobsdorff überging, der den Gutsgarten zu einem Park umgestalten ließ.

1872 wurde das seit 1811 zum Amt Mühlenhof gehörige Dorf dem neuen Kreis Niedeirbarnim angeschlossen und bildete seit 1874 gemeinsam mit Biesdorf und Kaulsdorf den Amtsbezirk Biesdorf . Gemeindevorsteher wurde ebenfalls 1874 der Schulze Reusche. Gutsvorsteher und erster Vorsteher des Anntsbezirkes war Hermann Schrobsdorff. Das Gut blieb bis 1912 rechtlich selbstständig. 1919 kaufte es die Stadt Lichtenberg von den Schrobsdorffschen Erben und stellte es teilweise als Siedlungsland für Lichtenberger Bürger, vor allem Kriegsversehrte, zur Verfügung.

Auch auf die Entwicklung Mahlsdorfs nahm die explosionsartige Entwicklung Berlins zunehmend Einfluss. 1895 erhielt der Ort einen Haltepunkt der Königlichen Ostbahn und wurde 1901 in den Berliner Vorortverkehr einbezogen. 1907 fuhr die erste Straßenbahn nach Köpenick. Für den anwachsenden Ausflugsverkehr der Berliner eröffneten eine Reihe von Gaststätten. Eine rege Siedlungstätigkeit begann. Nach der Eingemeindung von "Kiekemal" erfolgte die rasche Entwicklung von Mahlsdorf Süd; die Landhauskolonie "Waldesruh" entstand. Die Einwohnerzahl stieg von 850 im Jahre 1895 auf 6.118 im Jahre 1919. Damit war Mahlsdorf damals der mit Abstand größte Ort auf dem Gebiet des heutigen Bezirks. Die Infrastruktur wurde ausgebaut, ab 1903 wurde Mahlsdorf an die Versorgung mit Wasser, Gas und elektrischem Strom angeschlossen. Als erste Ortszeitung gab es seit 1904 die "Mahlsdorfer Zeitung". 1911 erbaute die Gemeinde ein neues Rathaus am heutigen Hultschiner Damm. Erste politische Organisationen entstanden, so 1905 der "Sozialdemokratische Wahlverein" und ein Jahr später der "Liberale Bürgerverein".


Text: Dr. Christa Hübner / Dr. Monika Ranke, Fotos: Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf


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